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Eigentlich wollte ich dieses Thema überhaupt nicht anschneiden. Es gibt einfach kein Geheimrezept
für eine erfolgreiche Examensvorbereitung, und ich habe wahrlich jede Menge Zutaten probiert.
Jeder muss selbst herausfinden, welche Lernmethoden und welcher Lernrhythmus für ihn am
besten geeignet sind. Ich will im folgenden aber doch ein paar allgemeine Dinge zur Examensvorbereitung
los werden, die vielleicht als Denkanstoß zu gebrauchen sind.
Examen ohne Rep:
Diese Phrase geistert ja nun schon längere Zeit durch die Flure der juristischen Fakultäten.
Es scheint schon fast in Mode gekommen zu sein, sich wenigstens theoretisch mit der Möglichkeit
auseinanderzusetzen, das Examen auch ohne die Hilfe eines professionellen Repetitors anzugehen. Diese Einstellung stellt sicherlich einen Fortschritt gegenüber der Vorstellung
dar, dass das Repetitorium ein zwingender und unvermeidlicher Bestandteil der universitären juristischen
Ausbildung darstellt.
Aber was ist wirklich dran an der Idee, das Examen ohne Repetitorium zu bewältigen? Abgesehen
von der finanziellen Komponente, sollten ja noch andere Gesichtspunkte für oder gegen das
Repetitorium sprechen. Die Antwort liegt, wie so oft, bei einem selbst. Es kommt nämlich ganz
darauf an, wie man das Repetitorium zu nutzen gedenkt und mit welcher Einstellung man dorthin geht.
Auf jeden Fall sollte man sich von folgender Vorstellung verabschieden: Das Repetitorium ersetzt
nicht die eigene Examensvorbereitung, es stellt nur einen Bestandteil davon dar! Auch wer schön
fleißig zweimal die Woche zum Repetitorium geht, sich berieseln lässt und dann
guten Gewissens seine Unterlagen bis zum nächsten Termin beiseite legt, wird kläglich
scheitern. Das Repetitorium kann eine fatale Wirkung haben. Auch wenn man absolut nichts tut, hat man
dennoch das Gefühl sich ordentlich fürs Examen vorzubereiten. Dieses Gefühl -
auch Selbstbetrug genannt - wird sich spätestens am Tag der ersten Klausur als fataler
Irrglaube entpuppen.
Natürlich habe ich das Ganze jetzt etwas überspitzt dargestellt, aber ich weiß
aus eigener Erfahrung wie schnell man sich auf die bloße Anwesenheit beim Repetitorium ausruht
und sich seiner Lethargie hingibt. Niemand hat Lust sich aufs Examen vorzubereiten und der Mensch
ist von Natur aus ein Meister der Verdrängung.
Wer sich also für den Besuch eines Repetitors entscheidet, sollte diesen auch richtig nutzen,
d.h. regelmäßig mitarbeiten und jede Sitzung intensiv vor- und nacharbeiten. Dann bleibt aber
auch kaum noch Zeit für andere Aktivitäten. Wem es lediglich auf die Unterlagen ankommt,
der sollte lieber auf den Besuch des Repetitoriums verzichten. Da gibt es mit Sicherheit andere
Möglichkeiten. Vielleicht sollte man sich auch einfach auf den Besuch des Klausurenkurses
beschränken. Was sicherlich für den Repetitor spricht ist seine Erfahrung in bezug
auf die Schwerpunktsetzung beim Lernen fürs Examen. Die richtigen Schwerpunkte zu setzen ist
eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Examensvorbereitung. Aber auch der
Repetitor ist kein Hellseher und kann unmöglich vorhersehen, welche Klausuren nun tatsächlich
gestellt werden.
Hat man sich entschieden zum Repetitor zu gehen, muss man sich nur noch für den richtigen
Anbieter entscheiden. Inwiefern sich die einzelnen "Erfolgsmethoden" wirklich merklich voneinander
unterscheiden sei einmal dahingestellt. Jeder Repetitor bietet Einführungsveranstaltungen an,
in denen man sich von der Arbeitsweise und den Unterlagen überzeugen kann. Dann sollte die
Wahl eigentlich nicht mehr so schwer fallen.
Wer lieber auf das Repetitorium verzichten will, sollte mal einen Blick ins juristische Seminar
werfen. Dort gibt es mittlerweile einige Bücher zu diesem Thema, teilweise mit konkreten
Arbeitsanleitungen zum selbstständigen Lernen.
Die Lerngruppe:
Ungemein wichtig ist es, sich die Examensvorbereitung mit jemanden zu teilen. Deshalb kann ich nur
jedem empfehlen, unabhägig vom eventuellen Besuch eines Repetitoriums, auf jeden Fall eine
private Lerngruppe zusammenzustellen. Dadurch profitiert jeder vom Wissen und Können der
anderen und man kann sich gegenseitig immer wieder motivieren. Die Möglichkeiten des Lernens
innerhalb der Lerngruppe sind mannigfaltig. Besucht man einen Repetitor, so kann man hier die
Sitzungen vor- bzw. nacharbeiten. Es können Referate zu bestimmten Themen gehalten werden,
zusammen Fälle gelöst werden, die mündliche Prüfung simuliert werden, usw.
Sehr empfehlenswert ist auch das Kartenspiel "Play-Beck" vom C.H. Beck Verlag. Im juristischen
Seminar findet sich einiges an Literatur mit Ideen zur Gestaltung der Examensvorbereitung in der
privaten Lerngruppe.
Aber Vorsicht: Auch die private Lerngruppe ersetzt nicht das eigenständige Lernen!
Ich bin eine Insel:
Im Examen muss man bedauerlicherweise allein bestehen. So sinnvoll das gemeinsame Lernen
im Repetitorium oder in der Lerngruppe auch sein mag, letztendlich muss sich jeder den Stoff
selbst draufschaffen. Wie genau dies zu geschehen hat, wird wohl niemand jemals eindeutig beantworten
können. Jeder muss für sich selbst die beste Methode herausfinden. Sei es nun durch
das Schreiben von Karteikarten, durch das Erstellen eines eigenen Skripts, durch unermüdliches
Lesen oder wie auch immer. Ein Fehler wäre es allerdings, ein Jahr lang fleißig Karteikarten
anzufertigen ohne sie überhaupt einmal durchgearbeitet zu haben. Ich empfehle auch, sich
pro Rechtsgebiet für ein oder zwei Lehrbücher oder Skripten zu entscheiden und nicht
sämtliche verfügbare Literatur zu sichten, aus Angst etwas Wichtiges zu übersehen.
Das bringt überhaupt nichts und kostet nur Zeit. Sehr wichtig ist auch die richtige
Schwerpunktsetzung. Mit dieser sollte man aber erst beginnnen, wenn man die Grundstrukturen
eines Rechtsgebiets voll erfasst hat. Ich habe es selbst erlebt, wie sich die eigene
Auffassungsgabe verändert, wenn man erstmal das Gefühl hat, das System an sich erkannt
zu haben. Jura stellt in dieser Hinsicht ein sehr dankbares Betätigungsfeld dar. In jedem
Rechtsgebiet gibt es gewisse Grundstrukturen und Prinzipien, welche sich stets wiederholen. Diese
zu kennen und zu beherrschen ist unerlässlich.
Bei der Examensvorbereitung gilt es auch nicht zu verzweifeln. Bei der scheinbar unbegrenzten Stoffmenge
ist es schwer den Überblick zu bewahren. Außerdem hat man ständig das Gefühl
jeder neu erlernte Stoff schickt ein bisher in den grauen Zellen gespeichertes Wissen wieder ins
Nirvana. Dieser Eindruck ist nicht ganz falsch. Diesem Effekt kann man aber durch häufige
Wiederholungen ganz gut in den Griff bekommen. Außerdem sollte man sich vielleicht darüber
im Klaren sein, dass die erfolgreiche Examensvorbereitung weniger ein stupides Auswendiglernen eines
unbegrenzten Stoffes darstellt, als eine Vorbereitung darauf, mit einem mehr oder weniger unbekannten
Stoff souverän umgehen zu können.
Neben dem Lernen des Stoffs gibt es allerdings einen zweiten Aspekt der individuellen Examensvorbereitung,
welcher auf gar keinen Fall vernachlässigt werden darf. Jeder Examenskandidat muss unbedingt
so viele Klausuren wie möglich schreiben. Nur so erlangt man die nötige Routine, um im
Examen mit einer unbekannten Klausur zurecht zu kommen. Deshalb sollte jede Klausur in den großen
Übungen, dem Examensklausurenkurs und eventuell dem Klausurenkurs des Repetitoriums
mitgeschrieben werden. Auch wenn man überhaupt keine Ahnung von der Materie hat, sollte man
die Klausur schreiben. Dies kostet zwar einiges an Disziplin, aber vielleicht hilft ja der
Gedanke, dass es einem im Examen im schlimmsten Fall genauso ergehen kann, und dann zählt
nur das, was man auch tatsächlich niedergeschrieben hat.
Wer sich selbst gegenüber ehrlich bleibt und mit einer gewissen Portion an Disziplin und
Durchhaltevermögen an die Examensvorbereitung herangeht, sollte den Prüfungen mit
Selbstvertrauen entgegenblicken dürfen, weil er wenigstens behaupten kann, alles ihm
Mögliche getan zu haben. Und das ist schon einiges wert.
In diesem Sinne wünsche ich allen ein glückliches und erfolgreiches Examen!
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